Jedes Jahr unterstützt MMI medizinische Teams, die Operationen bei Kindern durchführen, die mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren wurden – einem angeborenen Defekt, der eine Öffnung an Lippe und/oder Gaumen verursacht.
Diese Eingriffe bewirken weit mehr als nur die Wiederherstellung des äußeren Erscheinungsbildes: Lippen-Kiefer-Gaumenspalten führen oft zu schwerwiegenden gesundheitlichen und sprachlichen Problemen. In vielen Ländern gelten betroffene Kinder noch immer als verflucht. Sie werden gemieden, vom Schulbesuch ausgeschlossen, und ihre Familien erfahren Scham und Ausgrenzung in ihrer Gemeinschaft.
„Kinder, die mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren werden, sind in jeder Hinsicht völlig gesund“, erklärt Dr. Joseph Clawson, der seit vielen Jahren im Auftrag von MMI medizinische Teams in Entwicklungsländer leitet. „Durch eine Operation geben wir diesen Kindern die Möglichkeit, wieder richtig zu sprechen, zu essen und zu schlucken – und vor allem, ein normales Leben zu führen, zur Schule zu gehen und Teil ihrer Gemeinschaft zu sein.“
Die Operationen werden jedes Jahr in mehreren Ländern durchgeführt – kostenlos für Kinder aus armutsbetroffenen Familien, die mit dieser schweren Fehlbildung leben müssen. Bisher hat MMI medizinische Teams unter anderem auf die Philippinen, in die Demokratische Republik Kongo, nach Kamerun, Ecuador, Äthiopien, Simbabwe und Sambia entsandt.
Bei einem der jüngsten Einsätze in Sambia wurden mehrere Kinder im Alter zwischen sieben und dreizehn Jahren mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten mit Bussen zur Operation gebracht. Dr. Joseph Clawson berichtet, dass eine Mutter nach dem Eingriff zu ihm kam – mit Tränen in den Augen. Sie dankte ihm dafür, dass ihr Sohn sich endlich nicht mehr vor Gleichaltrigen und vor der Gemeinschaft verstecken müsse.
Dr. Joseph Clawson ist auf Gesichtsrekonstruktionen spezialisiert und führt solche Operationen seit Beginn seiner medizinischen Laufbahn durch. Er erzählt mit einem Lächeln, dass er irgendwann aufgehört habe zu zählen – damals, als er bereits rund 3.000 Lippen- und Gaumenspalten-Operationen durchgeführt hatte.
Idealerweise sollten Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bereits in sehr jungem Alter operiert werden. „Der Unterschied in der Narbenbildung bei Babys unter zwölf Wochen ist enorm – die Narben sind später kaum sichtbar“, erklärt Dr. Joseph Clawson. Allerdings erfordert eine Operation bei so jungen Patient:innen intensive Betreuung während der Genesung sowie bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen, etwa stabile Blutwerte, ausreichende Ernährung und ein Mindestgewicht.
In vielen afrikanischen und anderen Entwicklungsländern fehlt jedoch die medizinische Infrastruktur, um Säuglinge rechtzeitig zu operieren. Gleichzeitig haben die Familien meist nicht die finanziellen Mittel, um nach Alternativen zu suchen. Die Folge sind Jugendliche und Erwachsene, die ihr Leben lang unter den körperlichen und sozialen Auswirkungen dieser Fehlbildung leiden.
Dr. Joseph Clawson erinnert sich an einen seiner unvergesslichsten Patienten während eines MMI-Einsatzes in Afrika: einen Mann namens Freddy, damals dreißig Jahre alt, der mit einer stark ausgeprägten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte lebte. „Obwohl wir einen Dolmetscher hatten, konnte anfangs niemand verstehen, was er sagte“, erzählt Clawson. „Ich habe seine Lippe operiert. Ein Jahr später kam er wieder – und seine Sprache hatte sich deutlich verbessert. Da operierte ich auch seinen Gaumen.“ Nach der zweiten Operation berichtete Freddy, dass er in seinem Dorf eine Frau heiraten wollte, wofür er jedoch eine Mitgift von sechs Kühen benötigte.
„Wir legten alle zusammen, jeweils zehn Dollar – genug, um die sechs Kühe zu kaufen. Wir besorgten ihm neue Kleidung und schickten ihn auf den Weg“, erinnert sich Clawson lächelnd.
Die Koordination all dieser Einsätze ist eine große Herausforderung – von der Beschaffung und Verpackung sämtlicher Hilfsgüter, Arzneimittel, Nahtmaterialien und Verbände bis hin zu Instrumenten wie Stirnlampen.
„Wir müssen auch die unterschiedlichen elektrischen Spannungen in den Ländern berücksichtigen, in denen wir operieren“, erklärt Dr. Clawson. „Und der Papierkram ist endlos – wir müssen sicherstellen, dass all unsere Materialien reibungslos durch den Zoll kommen.“
„Darum sind unsere Kontaktpersonen in jedem Land so entscheidend“, betont er. „Dazu gehören auch die Unterstützung durch Behörden und die enge Zusammenarbeit mit den Verwaltungsteams der Krankenhäuser vor Ort.“
Während einer Mission in Ecuador – das Screening-Verfahren war gerade eingerichtet und angelaufen – erhielt das Team von den örtlichen Behörden plötzlich die Mitteilung, dass die Mission abgesagt worden sei.
Dr. Joseph Clawson griff sofort zum Telefon und versuchte, den Präsidenten von Ecuador zu erreichen. Schließlich gelang es ihm, mit der Ehefrau des Präsidenten zu sprechen. Er erklärte ihr, dass das medizinische Team im Land sei, um kostenlose Operationen für Kinder mit Lippen- und Gaumenspalten durchzuführen.
„Kurz darauf schickte die Frau des Präsidenten ein Fax mit der Anweisung, uns zu unterstützen und die Mission fortzusetzen“, erzählt Clawson. „Damit waren all unsere Probleme mit einem Schlag gelöst“, erinnert er sich lächelnd.
Diese lebensverändernden Operationen sind ein zentraler Bestandteil der Arbeit von Medical Mission International.
„Keinem Kind sollte wegen einer körperlichen Fehlbildung die Chance auf Bildung genommen oder soziale Teilhabe verwehrt werden“, sagt Ruth Kendrick, Programmdirektorin von MMI. „Es ist unglaublich erfüllend zu sehen, wie sich das Leben dieser Kinder verändert – zu wissen, dass sie jetzt Hoffnung und eine Perspektive für die Zukunft haben. Wir sind allen Spender:innen und Partner:innen von MMI zutiefst dankbar, die diesen Kindern einen Grund zum Lächeln schenken.“
